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  • Flavia

Zur Zweisamkeit (von Flavia)

Ich bin 15/w und bin seit ich eineinhalb bin, gemeinsam mit meiner Schwester, bei meinen Pflegeeltern. Als ich acht oder neun war, mussten wir in der Schule auch mal Bilder von uns als Babys mitbringen und dann erraten wer, wer ist. Das war auch nicht wirklich witzig für mich da ich das einzige Mädchen in meiner Klasse war, die lightskin (jemand, der leicht dunklere Haut hat) war. Das machte das Spiel immer sehr einfach. Wir mussten auch oft Familienstammbäume machen. Das hat mich immer sehr gestresst und aufgewühlt. Einfach, weil ich das Gefühl hatte, dass die Lehrer nur das Bild einer kleinen, glücklichen Familie sehen wollen: mit zwei Eltern, die sich lieben und zwei Kindern, die lachend im Garten spielen. Doch das hatte ich nie. Ich habe meine Pflegeeltern und dafür bin ich sehr dankbar, aber es ist irgendwie trotzdem nie dasselbe. Man fühlt sich immer anders als die anderen und das kann, besonders in einem jungen Alter, sehr schwer an einem nagen. Im Alter von Mina versteht man das alles noch nicht und fühlt sich oft allein und ausgeschlossen. Man hat das Gefühl, dass einem niemand verstehen würde. Selbst ist man aber auch irgendwie zu jung, um zu verstehen was da bei einem ab geht. Dieses Gefühl kenne ich selbst sehr gut. Jahrelang habe ich mir darüber den Kopf zerbrochen, wieso ich so bin, wie ich bin und wieso ich nicht einfach eine "normale" Familie habe. Jetzt, da ich älter bin aber, realisiere ich, dass der Fakt, dass ich ein Pflegekind bin, mich nicht von den anderen unterscheidet. Natürlich ist es ein Unterschied, aber es ist überhaupt nichts Negatives, wie ich immer dachte. Ich habe zwei Eltern, die mich lieben, so wie ich bin und eine grosse Schwester, mit der ich durch dick und dünn gehe. Ja, sie sind nicht meine leiblichen Eltern, aber lieben sie mich deswegen weniger? Ich bezweifle es.


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