Herzmedizin
- Caroline
- vor 7 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Heute Mittag ist Mina unausstehlich. Vielleicht weil ich morgen ohne sie verreise? Dabei habe ich es ihr früh genug gesagt, und Mina hat ihre Schwestern zusammengetrommelt und sie gefragt, wer von Donnerstag bis Samstag mit ihr etwas unternehmen würde, wenn ich nicht da bin. Zudem hat Romeo versprochen, mit ihr in den Trampolinpark zu gehen. Also alles gut eingefädelt.
Doch jetzt wird es schwierig. Und dann kommt noch dieser Telefonanruf von Nora, als wir gerade mit Essen fertig sind. Ich könnte mich jetzt noch ohrfeigen, weil ich das Gespräch ohne zu überlegen annehme. Nur schnell hören, was sie will. Unsere Älteste hat mir gestern geschrieben, dass sie gerne mit mir mitkomme. Als Nora des Langen und Breiten zu erörtern beginnt, was man am Thunersee alles unternehmen kann, fällt bei mir endlich der Groschen, und ich gehe aus Minas Hörweite. Besser, wenn sie nicht mitbekommt, dass Nora mich morgen begleitet, denke ich. Denn das würde es für sie bestimmt noch schwieriger machen, wenn sie wüsste, dass ich sie daheim zurücklasse und mit Nora weggehe.
Doch als ich wieder in die Küche komme, ist der Mist schon geführt: Mina empfängt mich mit den Worten: „Geht Nora morgen mit dir?“ Wie hat die kleine Kröte das schon wieder erraten? Aber was frage ich überhaupt, sie ist ja Spezialistin für alle Informationen, die mit ihr zusammenhängen. Als ich bestätige, dass Nora mit von der Partie ist, beginnt Mina in nullkommanichts zu weinen. Mir kommt es vor, als fiele sie vor meinen Augen in ein Kleinkinder-Loch, aus dem ich sie nicht mehr herauskriegen kann. Mina schluchzt und schluchzt: „Mami, du darfst morgen nicht gehen.“ Und Romeo ist frustriert, weil es mit Mina schon einen Tag vorher schwierig ist. Langsam spüre ich, wie auch meine innere Ruhe zu bröckeln beginnt. Jetzt müsste man etwas sagen können, das Mina daran erinnert, dass es ihr letztes Mal gut gegangen ist, als ich weg war. Aber was?
Da kommt mir das Colaglas in Minas Zimmer in den Sinn… „Sag mal, Mina, wieviele Cola-Fröschli hat es eigentlich noch im Glas, das ich dir letztes Mal geschenkt habe, als ich fort war? Weisst du, das, aus dem du jedesmal einen Cola-Frosch rausnehmen und schlecken konntest, wenn du mich vermisst hast.“ Minas Augen werden wieder klar, und ich merke, wie sie ins Hier und Jetzt zurückkommt. „Hm, ich weiss nicht so genau,“ erwidert sie mit ihrer normalen Zehnjährigenstimme. „Dann gehen wir heute Nachmittag am besten einkaufen und besorgen einen neuen Vorrat an Cola-Fröschli, oder was meinst du?“, frage ich, erleichtert, dass sie so schnell wieder ansprechbar ist. Mina nickt. Ich dopple nach: „Wo gibt es die schon wieder zu kaufen, Mina? Nur im Coop oder auch in der Migros?“ „Auch in der Migros, Mami, ich habe die dort schon gesehen“, erwidert sie prompt. „Und vielleicht gibt es in der Süsswarenabteilung ja sonst noch eine Medizin, die macht, dass es dir ab morgen gut geht?“, frage ich augenzwinkernd. Minas Augen leuchten interessiert auf.
Nach der Mittagsstunde gehen wir los und kaufen zwei Säckchen Cola-Fröschli zum Auffüllen und orange Tictacs mit Nachfüllpackung dazu. „Tictacs sind sehr gute Tabletten, Mami, weisst du.“ „M-h, Mina, alles klar,“ sage ich und muss lachen. Natürlich muss Mina die Tabletten schon am Vortag ausgiebig testen und genau überprüfen, ob sie auch wirklich helfen. Mir scheint, die Tictac-Tabletten wirken immer besser, je mehr man davon nimmt, denn die Reihen im Schächtelchen haben sich schon merklich gelichtet…




Kommentare