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  • Caroline

Wie wir es schafften, als Familie eine schöne Zeit zu haben

Sonntag Nachmittag in einem noblen Restaurant. Wir sind an eine Familienfeier eingeladen und alle sechs mit von der Partie. Meine kleine Nichte (3 Monate jung) ist am Morgen in der Kirche feierlich getauft worden. Ich denke zurück an den letzten Sommer, als mein Bruder heiratete. Damals war es für uns völlig klar, dass wir Mina auf keinen Fall mitnehmen könnten, und wir suchten deshalb eine Kinderbetreuung für sie. Schliesslich wollten wir die Hochzeit geniessen. Ich erinnere mich, dass Mina im Vorfeld einmal fragte, wieso wir ohne sie an die Hochzeit gingen. "Du würdest dich dort langweilen, Mina. Du hast es schöner bei Susanne," antwortete ich damals. Besonders gut fühlte es sich zwar nicht an, Mina aussen vor zu lassen.


Dieses Mal haben wir Mina selbstverständlich mitgenommen, weil sie zu unserer Familie gehört. Mit leicht klopfendem Herzen zwar und der Frage, wie lange das wohl gut gehen würde. Trotzdem eine klare Sache. Wie es zu diesem Sinneswandel kam?


Nun, unsere grossen Töchter haben vor ein paar Wochen so etwas wie Alarm geschlagen. Julia (21) erzählte uns nämlich, dass Yasmin (19) deswegen so selten zu Hause sei und lieber bei ihrem Freund übernachte, weil sie es nicht aushalte mit Mina in derselben Wohnung. Sie sei gar nicht mehr gern zu Hause. Julia fügte hinzu, sie selber fühle sich vor allem an den Wochenenden nicht wohl daheim, es sei gar kein Familienfeeling mehr vorhanden. Und mit uns Eltern kämen sie deswegen nicht mehr mit in die Ferien, weil es mit Mina so stressig sei, sie oft herumschreie und mein Mann mit Mina zusammen total unentspannt sei.


Wir waren schon etwas geschockt von den klaren Worten, die unsere Töchter da äusserten. Ein schlimme Vorstellung für mich, dass unsere Töchter dereinst ausziehen und dabei denken würden: "Wir hätten es als Familie so schön haben können, aber leider ging das alles nicht wegen Mina." Aus diesem Grund organisierten wir ein Familiencoaching zum Thema "Wie wir es als Familie mit Mina wieder schön haben können". Wir priorisierten in diesem Gespräch die Wochenenden daheim und machten aus, mit Mina zu reden und ihr unser Ziel mitzuteilen. Als traumapädagogisch Gebleichteste von uns übernahm ich diese Aufgabe. Ein guter Zeitpunkt bot sich, als Yasmin, die am wenigsten Optimismus verspürte, dass sich etwas zum Besseren verändern könnte, in ihr Zimmer ging und Mina ihr hinterherschlüpfte.


"Mina, hör mal, wir möchten dir sagen, dass wir es als Familie mit dir schön haben möchten an den Wochenenden und später auch mal wieder mal Ausflüge machen und zusammen in die Ferien gehen können." Mina reagierte nicht auf mein schönes Sätzchen, sondern hob etwas vom Zimmerboden auf und fragte Yasmin, was das sei. "Hör noch weiter, Mina", sagte ich rasch. "Wenn du eine Idee hast, was wir besser machen können für dich, damit wir es als Familie zusammen schön haben, kannst du es uns sagen." Mina äusserte sich nicht. Aber Yasmin nickte bestätigend mit dem Kopf, was mich rührte.


Zwei Tage später war die Taufe. Mein Mann kam mit Mina zum Ende des Gottesdienstes in die Kirche nach. So hatten wir es abgesprochen. Beim Schlusslied schlüpfte ein lautloser kleiner Aal zu mir in die Kirchenbank und nahm meine Hand. Ich staunte: Mina hatte sich extra fein angezogen, was sie sonst nie tut. Sobald wir die Kirche verliessen, mischte sie sich unter die grossen Schwestern. Im Restaurant suchte sich Mina als einziges anwesendes Kind einen Platz bei den jungen Erwachsenen und sass gerade aufgerichtet und erwartungsvoll auf ihrem Stuhl. Mein Mann und ich nahmen am anderen Ende des Tisches Platz. Nach gut zwei Stunden kam Mina zum ersten Mal zu mir und fragte, wie lange wir denn noch dablieben. "Wir essen noch das Dessert, trinken einen Kaffee und plaudern. Wenn wir alle genug haben, gehen wir nach Hause." Mina hüpfte daraufhin wieder zurück zum grossen Cousin (22), der am Tisch vis-à-vis von ihr sass, und forderte ihn auf, mit ihr nach draussen kommen, sie wolle ihm etwas zeigen.


Es wäre möglich, dass der gutmütige Cousin am Ende etwas erschöpft war von den vielen Aufmerksamkeiten vonseiten Minas am Fest:) Mein Mann und ich hatten jedenfalls eine entspannte Zeit mit den anderen Gästen. Auch Nora, Julia und Yasmin waren sichtlich angetan von der schönen Zeit am Fest und äusserten sich überrascht über Minas kooperatives Verhalten. "Mina, wir hatten so ein schönes Fest mit dir heute, weisst du das?" sagte ich an diesem Abend beim Ins-Bett-Bringen zu ihr. Mina blieb still, aber ich sah an ihrem Gesichtsausdruck, dass sie sich freute.


Ob dieses gelungene Fest etwas damit zu tun hatte, dass wir mit Mina vor besprochen hatten, dass wir schöne Wochenenden mit ihr haben möchten? Keine Ahnung, aber manchmal gibt's schon merkwürdige Zufälle...




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