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  • Caroline

Und es begab sich...

Sonntagmorgen um 10 Uhr. Ich sitze allein am Esstisch und trinke meinen Morgenkaffee. Es ist wundersam ruhig in der Wohnung, obschon alle Kinder daheim sind. Ja gut, die beiden Grossen, Julia und Yasmin, schlafen noch... Aber eben, DASS sie noch schlafen, ist ja das Besondere. Sie können heute nämlich ausschlafen, WEIL es ruhig ist. Niemand schreit, keine Schuhe fliegen durch die Wohnung, niemand schüttelt den Kopf, hält sich die Ohren zu oder murmelt durch die zusammengebissenen Zähne, dass man jetzt dann echt ausziehe aus diesem Irrenhaus.


Ich habe ebenfalls bis vor einer halben Stunde geschlafen, unglaublich. Und trotzdem hat mich Mina nicht gleich vereinnahmt, als ich schlaftrunken an ihr Bett tappte, um zu schauen wie's ihr geht. Sondern nur gefragt, was wir denn heute machen. Mina wirkte entspannt, nicht so gestresst wie sonst oft am Sonntag. Dabei konnten wir gestern Abend nicht einmal mehr besprechen, was heute auf dem Programm steht.


Mina und ich waren gestern Abend nämlich noch um 20 Uhr unterwegs zur WG von Nora. Nora und die beiden männlichen Bewohner luden zum einem Kleider- , Schuhe- und Pflanzenverkauf ein, um Geld zu sammeln für die vierte Mitbewohnerin, die einen Auslandsaufenthalt plant. Wir fuhren also im strömenden Regen mit dem Bus und zweimal Umsteigen zu Nora. Dort erwartete uns eine schon recht volle Wohnung mit jungen Männern und Frauen, die redeten und lachten oder nach ihrem Geschmack mit den drei vorgegebenen Farben weiss, ocker und schwarz Blumentöpfe anmalten. Es duftete herrlich nach Flammkuchen.


Ich hatte mich auf alles eingestellt: Auch darauf, dass Mina bereits nach fünf Minuten in dieser Umgebung hibbelig, gestresst, laut und anstrengend für die anderen sein könnte. So dass wir nach eben diesen fünf Minuten wieder unseren Rückweg antreten würden. Auf das, was mich aber tatsächlich erwartete, war ich dann doch nicht vorbereitet: Dass ich nämlich einen schönen, entspannten Abend verbringen würde... Mina verschwand schon bald von meiner Seite und mischte sich unters Volk. Sie schwatzte auch mit unbekannten Gästen und fragte sie aus: "Wie alt bist du...? Wie heisst du...?". Sie ass und trank und malte für sich allein selig einen Blumentopf in ihrer Lieblingsfabe blau an. (Wo sie nur das Blau herhatte?!?). Und ich hatte Zeit und Musse, mich mit den anderen zu unterhalten.


Erst um 22 Uhr brachen wir nach Hause auf. Nora fuhr uns heim und trug die schlafende Mina (vier Minuten Fahrt reichten da schon aus:)) liebevoll die Treppe hoch in ihr Zimmer. Gemeinsam legten wir sie aufs Bett und zogen ihr Schuhe, Jacke und Hose aus. Da war keine Zeit mehr, darüber zu sprechen, was wir heute Sonntag nun machen würden. Dabei hatte ich doch in den letzten Wochen herausgefunden, dass ein Plan für den Sonntag einen friedlichen Tag gewöhnlich begünstigte. So rechnete ich heute Morgen beim Aufstehen eher mit einer gestressten und angespannten Mina, auch weil ich so lange geschlafen hatte.


Doch Mina zeigte mir ganz ruhig ihre Playmobil-Wohnsiedlung, die sie ausgebaut und neu gestaltet hatte, während ich nebenan noch friedlich schlummerte. "Spielemer?," fragte sie dann. "Na klar," antwortete ich. "Sobald ich mir einen Kaffee geholt habe." Doch als ich mit meinem Kaffeebecher in der Hand zu Minas Zimmer kam, hatte diese ihre Türe schon zugemacht und spielte ohne mich.


So kommt es, dass ich nun bereits 45 Minuten in Ruhe meinen Kaffee trinken und euch davon berichten kann. Warum es gestern Abend mit einer schon recht müden Mina in einer vollen WG-Wohnung so gut lief? Keine Ahnung. Ich kann nur raten. Vermutlich half es, dass ich auch mit einem Fünfminuten-Besuch bei Nora hätte leben können, und es Mina so für mich nur richtig machen konnte. Vielleicht spürte sie auch meine entspannte Stimmung. Oder sie war ganz einfach happy, dass sie am Abend nochmal aus dem Haus durfte, als einziges Kind an eine Studierendenparty...


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