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  • Caroline

Nebel im Kopf

Letzten Donnerstag konnte ich nicht mehr klar denken. Dabei hatte alles so gut begonnen: Nora, unsere Älteste, die in einer WG wohnt, wollte mit Mina einen Nachmittag in der Badi verbringen. Mina liebt es zu baden. Nora ist eine engagierte junge Frau mit vielen Hobbies, hatte sich diesen Nachmittag aber für Mina reserviert. Schwesternzeit und so. Und ich hätte etwas für mich machen können. Das war der Plan. Ich dachte, ich hätte mit Mina alles gut besprochen: Nora würde sie um 14.00 Uhr abholen und Mina durfte auswählen wohin. Doch als ich am Morgen mit Mina über den Nachmittag sprach, sagte sie: "Nein, ich will nicht, dass Nora kommt! DU musst mit mir baden kommen, ich will bei dir sein!!" - Was nun? Für euch wäre diese Situation vielleicht einfach zu handlen gewesen, aber nicht für mich. Denn - wie ihr vielleicht schon gemerkt habt - bin ich ein Mensch, der immer alle glücklich machen will und denkt, dass schon alles irgendwie aufgehen wird.


Minas Statement stürzte mich in ein gewaltiges Dilemma, und ich überlegte hin und her: "Nora hat sich doch extra freigenommen für Mina. Deshalb wird sie sicher traurig und enttäuscht sein, wenn ich ihr jetzt absage, und dann macht sie mit Mina vielleicht nie wieder etwas. Das geht doch nicht. Es ist ja auch schon alles abgemacht... Aber wenn ich alles laufenlasse und Nora kommt und Mina dann eine Szene macht und nicht mitgehen will?!? Dann fühlt sich Nora bestimmt abgelehnt. Und sie wird wütend sein auf Mina, vielleicht auch auf mich.


Auf der anderen Seite habe ich Mina, die partout nicht mehr mit Nora mitgehen will. Ein unlösbares Problem... Ich beginne mich zu fragen, ob ich nun ebenfalls in die Badi mitgehen müsste? Mina fällt doch so leicht in den gelben Zustand, wenn sie bei mir nicht andocken kann und die Beziehung zu mir bedroht glaubt. Aber wenn wir zu dritt gehen, und Mina dann anfängt, Nora zu plagen, weil sie ja mit mir alleine gehen will...?


Je mehr ich mich in meinem Dilemma verstricke, desto benebelter wird mein Kopf. Wo ist meine Gelassenheit geblieben? Ich kann nicht mehr klar denken. Ob sich der gelbe Zustand von Mina wohl jeweils so anfühlt? Ein grässliches Gefühl, so neben sich zu stehen... Ich überlege. Zuerst muss ich mich beruhigen und wieder den Boden unter den Füssen spüren. Ruhig durchatmen. Als nächstes muss ich mir darüber klar werden, was ICH heute Nachmittag tun will und was nicht. Wenn ich nicht weiss, was ich will, wie soll ich mit Mina jemals einen Weg aus diesem Kuddelmuddel finden? Genau - ich hatte mir vorgenommen, heute Nachmittag im Haushalt klar Schiff zu machen. In die Badi gehen will ich nicht. Gut, schon mal etwas, das fest steht. Nun muss ich mit Mina reden und ihr sagen, dass ich heute Nachmittag nicht in die Badi gehe, auch wenn dies einen Konflikt und Geschrei nach sich ziehen sollte.


Ich gehe zu ihr hin und sage: "Du Mina, ich will heute Nachmittag nicht in die Badi. Ich habe daheim zu tun. Das bedeutet: Wenn du bei mir sein willst, dann bist du auch zu Hause oder du gehst nach draussen spielen. Oder du gehst mit Nora in die Badi." Gespannt warte ich auf Minas Reaktion. Wird sie toben und schreien? Im Gegenteil. Ganz ruhig antwortet sie: "Ich will aber in die Badi." "Dann kannst du mit Nora gehen." "Okay, Mami," sagt Mina, und ihr eigenes inneres Durcheinander, das ich den ganzen Morgen gespürt habe, scheint zur Ruhe zu kommen, genauso wie ihr forderndes Drängen, ich müsse mit ihr alleine in die Badi gehen, nun verstummt.


Krass, denke ich. Wie kann das sein? Das würde ja bedeuten, dass Klarheit und Struktur, ebenso wie ein entschiedenes Nein von mir, Mina wieder in den grünen Zustand zurückbringen kann. Boah, habe ich noch viel zu lernen!


Übrigens: Kurz bevor Nora kommt, um Mina abzuholen, fängt diese nochmals zu drängeln an: "Mami, ich will aber bei dir sein. Du musst mitkommen in die Badi!" "Mina, ich bleibe doch heute Nachmittag zu Hause." "Okay, Mami," antwortet Mina und hüpft fröhlich runter zum Velokeller, als Nora an der Türe läutet. Und ab in die Badi mit den beiden. Ich bleibe zurück und staune über meinen nunmehr wieder klaren Kopf. Krass!


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