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  • Caroline

Maaami!

Samstags beim Mittagessen. Mina glänzt am Familientisch mit Abwesenheit. Sie ist so wütend auf mich, dass sie nicht mehr mit mir redet. Julia (21) war schon in ihrem Zimmer und hat gefragt, ob sie ihr den Teller mit den Spaghetti ins Zimmer bringen soll. Mina lässt ausrichten, dass sie schon Hunger habe, aber erst zum Essen komme, wenn ich nicht mehr da sei. "Ach, wenn’s doch nur das wäre…" Alle paar Minuten stürmt Mina nämlich auch noch aus ihrem Zimmer an meinem Platz und versucht mich zu schlagen. Ich nehme sie bei den Armen und sage: „Mina, ich will nicht, dass du mich schlägst. Was ist denn los?“ Doch Mina ist in keinem Zustand für Erklärungen. Sie schreit bloss: „Lass mich los!“ Doch sobald ich sie loslasse, rennt sie wieder auf mich los. Schliesslich trage ich sie in ihr Zimmer und lege sie auf ihr Bett. Etwas Gescheiteres fällt mir nicht ein. Ich möchte doch nur in Ruhe essen... Während des restlichen Essens überlege ich fieberhaft, was denn wohl schiefgelaufen sein könnte zwischen uns.


Ach ja, kurz vor dem Mittagessen – ich stellte gerade das Essen auf den Tisch – kam Yasmin (19) zu mir und sagte: „Mami, diesmal musst du glaub selber zu Mina. Sie sagt, Mami kommt nie, wenn ich rufe.“ Ich ging dann zu Mina ins Zimmer, legte mich neben sie aufs Bett und fragte: „Wofür brauchst du mich denn?“ Unvermittelt fing sie da ja schon an mich zu schlagen und schrie: „Geh weg.“ Ich weiss noch, wie ich versuchte ruhig zu bleiben, obwohl ich keine Ahnung hatte, was überhaupt los war, und aus dem Zimmer ging. Und was war denn vorher noch? Ach ja, als ich am Kochen war, hat Mina doch schon nach mir gerufen, und Yasmin ist dann nachschauen gegangen. Wir machen das öfters so, schauen, wer gerade Zeit für was hat. Normalerweise ist das kein Problem.


Als ich fertig gegessen habe, gehe ich in mein Zimmer. Bald höre ich, wie Mina zum Esstisch geht und sich hinsetzt, mit Julia spricht und offenbar friedlich ihre Spaghetti isst. 10 Minuten später kommt Mina zu mir ins Zimmer, schaut mich herausfordernd an und zieht an meinem Gürtel. "Jetzt fängt das wieder an," denke ich… Dann rennt sie wieder aus dem Zimmer. Offenbar bin ich wieder einmal ohne Absicht in eine spezielle Wunde von Mina getreten. "Echt, aber sie könnte doch auch selber zu mir kommen, wenn sie etwas von mir will, sie ist ja kein Baby mehr," denke ich. Doch das hilft mir jetzt auch nicht weiter, denn ich habe eine getriggerte Mina, die jedesmal wieder auf mich losgeht, wenn sie mich sieht. Was kann ich tun? Die Beziehungsbrücke wieder aufbauen... Aber wie? Eine süsse Idee kommt mir... Ich gehe in die Küche, hole ein Plastikschälchen und lege zwei Kekse, die Mina gerne mag, hinein. Da nun sowieso die Mittagsstunde ansteht, lege ich das Schälchen mit den Keksen schon mal auf ihr Bett, dazu ihr Kuscheltuch. Dann gehe ich in mein Zimmer und warte gespannt darauf, wie es nun weitergeht.


Bald schon taucht Mina bei mir auf und zieht wieder an meinem Gürtel. Ich sehe es schon vor meinem inneren Auge, wie sie wieder ausholt und mich zu schlagen beginnt. Schnell sage ich: „Mina, ich habe auf deinem Bett eine kleine Überraschung hingelegt, um dir zu zeigen, dass ich dich lieb habe und immer an dich denke." Mina rennt in ihr Zimmer und wirft die Türe hinter sich zu. Dann höre ich eine Stunde nichts mehr von ihr. Wie immer stelle ich den Mittagsstundenwecker für Mina und mache ein Schläfchen, das ich nach diesem Mittagessen auch dringend brauche…

Danach klopfe ich an Minas Zimmertür und warte auf ihr: „Ja, was ist los?“. Ich gehe ins Zimmer und streiche ihr vorsichtig über den Kopf. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen hat die kleine Überraschung ihren Weg zu Minas Herz gefunden. Dem Himmel sei Dank!


Als ich Mina abends zu Bett bringe, frage ich sie, wie das wäre, wenn sie von jetzt an ein kleines Glöckchen nehmen würde, mit dem sie jeweils in die Küche kommen und läuten kann, wenn sie einmal genau MICH braucht. Dann weiss ich Bescheid. Mina grinst und sagt: „Ich will lieber so eine Uhr, mit der man telefonieren kann, so wie die von Elena aus meiner Klasse. Die kann ihre Mutti immer anrufen. Aber Mami, einmal hat sie ihre Mutti so oft angerufen, dass diese sagte: „Elena, bitte ruf mich nicht mehr an, ich bin am Arbeiten…“

"Ja, genau," denke ich, und muss auch lachen. Eine teure Applewatch, mit der mich Mina rund um die Uhr erreichen und kontrollieren kann, das wäre mein Traum!




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