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Der Trampolinpark

  • Caroline
  • vor 16 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Seit geschlagenen drei Stunden sind Mina und ich schon im Trampolinpark. Ginge es nach ihr, würden wir noch einmal drei Stunden dranhängen… Ich muss zugeben, es ist eine besondere Welt hier, die schon beim Reinkommmen beginnt: Stösst man die beiden schweren Eingangstüren auf, erschnuppert die Nase als erstes die typische Mischung aus altem Gebäude, angestaubter Luft und ehrlichem Schweiss. Ich persönlich könnte mir Attraktiveres vorstellen. Aber Mina erfasst dann unmittelbar eine Begeisterungswelle, und ich drücke ihr das Elferabo in die Hand, ihr Sesam-öffne-dich in den Trampolinpark. Damit macht sie einen weiten Bogen um die Warteschlange und lässt sich beim Drehkreuz selber ein. Ich dagegen muss brav anstehen und warten, bis ich an die Reihe komme, um mein Besucherticket zu lösen. Dafür kostet es wenig, und ich bekomme mit dem Kaufbeleg einen Rabatt im angrenzenden Bistro.


Hinter dem Eingang wartet Mina geduldig auf mich. Gemeinsam erklimmen wir die Treppe ins erste Stockwerk, wo Mina sich umzieht und ihre Siebensachen mit Trotti und Helm unter einer Bank deponiert. Dann kommt mein Text, es ist jedesmal derselbe: „Mina, ich bin unten im Bistro. Du kommst einfach, wenn du etwas brauchst, ja?“ Mina nickt, aber sie hört nur noch mit halbem Ohr zu, denn in den Gedanken ist sie vermutlich schon beim Trampolinspringen. Ich steige wieder nach unten und schlendere hinüber zum Café. Auch hier riecht es schwach nach Sport und Schweiss. Dafür sind Hahnenwasser und Gläser kostenfrei. Ich setze mich an einen freien Holztisch und breite Bücher, Handy und Laptop vor mir aus. Und dann kommt die Musik an die Reihe, meistens Mozart, der beflügelt mich.


Wenn Mina nach einer Stunde zu mir ins Bistro kommt, fragt sie: „Kann ich Pommes haben, Mami?“. Diese gibts im Trampolipark nur am Wochenende, dafür rund um die Uhr. Heute hat Mina solchen Hunger, dass sie allein eine grosse Portion verdrückt. Dann kommt mein Lieblingsmoment: Mina zieht es wieder nach oben zu Trampolin, Fussball und Parcoursfahren. Sie steht vom Tisch auf und sagt: „Ich gehe jetzt wieder Trampolinspringen, Mami. Nachher Glacé, gell?“ Ich nicke bestätigend und kehre zu meinem eigenen seligen Tun zurück.


Was den Zauber des Trampolinparks ausmacht? Ich schätze, für Mina und mich ist hier so etwas wie ein Ort grenzenloser Freiheit. Beide streifen wir nach Herzenslust herum und tun, was das Herz begehrt: Mina hüpft in echt von Trampolin zu Trampolin und vom Fussballfeld zum Sprungturm. Mein Schlendern findet im Geiste statt: Ich schreibe, lese und träume, unter den Kopfhörern verborgen in meiner eigenen Welt. Manchmal kommt Yasmin auf einen Kaffee vorbei, dann habe ich Gesellschaft. Aber heute ist sie nicht in der Nähe, sondern weit weg in den Ferien. Auch gut. Obwohl Mina und ich uns in verschiedenen Stockwerken bewegen, sind wir innerlich irgendwie verbunden. Vielleicht weil ich hier die „Kleine“ bin, die mit ihrem Zuschauerticket bloss am Tisch sitzt? Mina dagegen ist die „Grosse“, die Aktive, diejenige, die richtig Sport macht, und nicht nur zuguckt.


Im Trampolinpark spielt es keine Rolle, ob du klein bist oder gross gewachsen, muskulös oder schlaksig, ob du dich angesagt oder langweilig kleidest und in deiner Schulklasse vielleicht nicht mal richtig dazugehörst. Hier zählt nur deine sportliche Leistung, sonst nichts. Und Hinz und Kunz schaut dir dabei zu. Ob du trotzdem den Mumm hast und dich den Sprung traust oder nicht, darauf kommt es an. Beim Vorbeigehen siehst du auf den Bildschirmen die gewagtesten Sprünge mit dem Bike und die coolsten Skatermoves. Mina und die anderen Kids bleiben immer wieder mal andächtig stehen und denken garantiert: So gut möchte ich auch mal werden.


Für Mina ist der Trampolinpark der Olymp - und entsprechend ungern kommt sie am Ende wieder mit mir nach Hause. Doch morgen ist Schule. Als Mina abends neben mir im Bett liegt und ihre Atemzüge immer tiefer werden, dünkt es mich, als ob sie noch immer etwas von der verklärten Luft des Olymp umwehe. Und ich stelle mir vor, wie im Traumland SIE diejenige ist, deren Moves im Trampolinpark über die Bildschirme flittern…



 
 
 

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