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  • Flavia

Zur "Verrückten Trauer" von Flavia

Natürlich kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob Mina Verlustängste hatte, als vor einigen Wochen ihr Grossvater gestorben ist. Ich kenne ihre Geschichte ja nicht. Aber ich kann mir das gut vorstellen. Viele Pflegekinder leiden unter Bindungsstörungen und Verlustängsten. Das hat oftmals damit zu tun, dass ihnen am Anfang ihres Lebens eine feste Bezugsperson gefehlt hat. Eine Bezugsperson braucht jedes Kind, um sich gut entwickeln zu können. Für Pflegekinder wie mich zum Beispiel, die mit ca. 12 Monaten in eine Pflegefamilie kommen, ist es meistens etwas leichter, sich an jemanden zu binden. Für Pflegekinder, die jedoch mehrere Jahre nie wirklich jemanden hatten, der bei ihnen blieb, ist es oft extrem schwer, Vertrauen zu einer neuen Person aufzubauen. Schon im frühen Alter erleben viele Pflegekinder Bindungsabbrüche, was es ihnen erschwert, sich auf Menschen einzulassen. Sie haben nie erlebt, eine starke Beziehung zu einer Person zu haben, da die meisten Menschen sie vorher irgendwann verlassen haben. Das kenne ich auch sehr gut von mir selber. Es ist immer so eine Angst da, dass man wieder verlassen werden könnte. Manche Leute verstehen diese Angst nicht, weil sie als Kind selbst nicht verlassen wurden. Aber für ein Kind, welches von seinen Eltern oder anderen wichtigen Personen einen Beziehungsabbruch erlitten hat, ist diese Angst ein ständiger Begleiter. Diese Angst ist sehr schwer wieder abzulegen. Ich habe heute noch oft das Gefühl, alleine zu sein und mich auf niemanden einlassen zu können, da ich irgendwie immer misstrauisch bin, dass die Personen, die mir wichtig sind, einfach wieder verschwinden könnten. Ich schaffe es aber immer mehr, Leuten zu vertrauen und ich bin fest davon überzeugt, dass Mina das eines Tages auch kann.


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